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Tallinn

Stadtmauern und Türmchen aus Stein – rein optisch erinnert die Altstadt der estnischen Hauptstadt an Freistadt. Dabei verbindet diese Städte kaum etwas. Tallinns Vergangenheit ist dänisch, deutsch, schwedisch, russisch und sowjetisch. Die Republik Estland existierte von 1918 bis 1940, nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde sie 1991 wieder ausgerufen. In der jüngeren Vergangenheit Estlands hat die Sowjetunion ihre Spuren hinterlassen, und das obwohl sich die Esten kulturell eher den Skandinaviern zugehörig fühlen als Russland. Diesen Zwiespalt merkt man der Stadt an: modern designte Wohnungen neben grauen Plattenbauten.

Altstadt Tallinn

Tallinn Altstadt Türme

Tallinn Häuser

Tallinn Schienen

Tallinn Container

 

Die russische Vergangenheit

Der russische Kaiser Nikolaus I. ließ Anfang des 20. Jahrhunderts Patarei bauen. Nur wenige Jahre wurde der wuchtige Bau verwendet, wofür er geplant war: als Verteidigungs-Festung. Bald wurde ein Gefängnis daraus, in das zuerst die Russen, dann die Deutschen und schließlich Esten Menschen sperrten. Bis 2002 war das Gefängnis in Betrieb, auch Hinrichtungen wurden dort vollzogen. Jetzt wird ein Käufer für das leerstehende Gebäude gesucht – am beten mit einer Nutzungsidee und viel Geld. Bis jetzt erfolglos.

Eine NGO möchte Patarei bekannt(er) machen und bietet Führungen durch das verlassene Gefängnis. Im Inneren des Gebäudes scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Vieles vom ehemaligen Inventar steht und liegt noch herum. Der Strom ist abgeschaltet, in den finsteren Gängen tastet man sich mit Handytaschenlampen vorwärts. Es fühlt sich nach einer längst vergangenen Zeit an, dabei liegt das Jahr 2002 nicht weit zurück.

Patarei

Tallinn Patarei Türen

Pataraei Zelle

Tallinn Patarei OP

 

Europas Silicon Valley

Skype ist “Made in Estonia” und soll Vorbild sein. Mit ausgebauter digitaler Infrastruktur (ein Internetanschluss gehört zum Grundrecht) versucht das Land Start-Ups anzulocken. Um eine Firma zu gründen, braucht es nur wenige Mausklicks und die Behördenwege funktionieren digital. Im Internet kann man auch die estnische E-Staatsbürgerschaft (“e-residency”) beantragen und somit zum “e-Esten” werden. Damit lässt sich auch als Nicht-Este eine Firma gründen oder mit einer estnischen Firma kooperieren. Diese Angebote sind die Erfolgsrezepte Estlands.

Telliskivi Loomelinnak, ein ehemaliger Industriekomplex nicht weit von der Altstadt, ist laut Eigenaussage das “kreative Zentrum” von Tallinn. Dort befinden sich Design-Shops, Ateliers von Künstlern und Schauspielern, Büros von Kreativagenturen und NGOs. Außerdem sind dort großartige Restaurants wie F-hoone oder die nahegelegene Fabrik.

F-Hoone

F-hoone

Melissa Marlene Phyllis Jeff Paul