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Fußball EM Paris

Da grinst sie noch breit, die Reisegruppe. Vor dem Spiel Österreich gegen Island im Pariser Stade de France scheint am 22. Juni alles möglich. Fendrichs “I am from Austria” dröhnt aus einem Café knapp vor der ersten Sicherheitskontrolle. Bemalte, verkleidete Fans sind zu Tausenden aus Österreich angereist. Ein lederbehoster Österreicher hat sogar Ski mitgebracht. Die rot-weiß-roten Unterstützer sind gefühlt drei- bis viermal mehr als die blau-rot-weißen Isländer. Dort, wo Österreicher und Isländer aufeinander treffen, ist die Stimmung freundlich, es wird gescherzt, fotografiert und sich zugeprostet. Für Letzteres wird an den Standln Bier (0,4 Liter) um wohlfeile € 6,90 angeboten. Vor dem Spiel sind beide Seiten vorsichtig optimistisch bis kompromisslos siegesgewiss. Während die einen schon mindestens vom Viertelfinale (wenn nicht gar vom Europameister-Titel) träumen, scheinen andere schon froh darüber zu sein, dass ihre Mannschaft überhaupt an einer EM teilnimmt.

Reisegruppe Max Ben Dani PaulDer Stolz, das Vertrauen ins Können der “eigenen” Mannen und die Zuversicht schwinden nach einer katastrophalen ersten Halbzeit doch ein wenig. Nach Alessandro Schöpfs Ausgleichtreffer wird es in der zweiten Halbzeit tatsächlich noch einmal spannend und – wie wir uns das gewünscht hatten – auch dramatisch. Allerdings haben es Dramen so an sich, in Tränen zu enden. Und als wäre der isländische Siegestreffer zum 2:1 nicht genug, geht nach dem Spiel ein Wolkenbruch über die gesenkten Köpfe der österreichischen Fans hernieder. Während der Regen den Isländern nichts anzuhaben scheint, schleichen wir inmitten tausender enttäuschter Landsmänner und -frauen Richtung U-Bahn. Im Stadion haben fast 80.000 Menschen Österreich beim Verlieren zugeschaut. Es hätte so schön sein können.

Stade de France

 

Pont des Arts Schlösser

Max Hotel de Ville

 

Den Abend mit Blick auf Paris vom Montmartre zu genießen, das schmeckt nicht nach Geheimtipp sondern nach Massenveranstaltung. Die Stiege vor der Basilika Sacré-Cœur ist idealer Platz um ein Bier zu trinken. Das haben sich auch einige findige Jungs gedacht, die dem emsigen und florierenden Bierverkauf fröhnen und den Platz damit im Griff haben. Willkommen in den Fängen der Bier-Verkäufer-Mafia vom Montmartre! Ein sehr schmaler Grat trennt dabei den aufmerksamen vom aufdringlichen Händler. Anwesenheitserlaubnis scheint nur zu haben, wer das Bierangebot annimmt. Das alles wussten wir bis zu unserer Ankunft dort nicht.

Montmartre

Noch auf der Stiege wimmeln wir den ersten Händler ab. Wenige Schritte weiter kommt schon der nächste. Ohne unser Zutun senkt er den Preis von drei auf zwei Euro pro Flasche. Also gut, Bier auf, Prost und Blick auf die Stadt. Als wir die Flasche zum ersten Schluck im Gesicht haben, kommt schon der nächste Verkäufer und will uns weitere Flaschen andrehen. Und drei Schritte hinter ihm Verkäufer Nr. 1, den wir abwimmeln konnten. Er wird ausfällig und beschimpft uns, weil wir nicht bei ihm gekauft haben. Da trinken wir aus und tun es der Sonne gleich: wir verschwinden. Schade, es hätte so schön sein können.

 

Triumpfbogen

Centre Pompidou

 

Die Warteschlange auf den Eiffelturm haben wir uns erspart und stattdessen den Tour Montparnasse bestieg-, nein, befahren. Der Montparnassen-Turm ist das dritthöchste Gebäude der Stadt, bei einer Abstimmung um die hässlichsten Bausünden der Welt belegte er im Jahr 2008 den zweiten Platz. (Das Rathaus von Boston kommt auf Platz 1). Angeblich wird der Turm auch von den Parisern gescholten und gehasst. Aaaaaber der Ausblick, ja, der Ausblick! Der Eiffelturm und dahinter der Stadtteil La Défense auf einer Blicklinie. Der Sonnenuntergang und sein gnädiges Licht scheinen sich auch auf die Stimmung der Besucher auszuwirken, die auf der Aussichtsplattform in knapp 200 Metern in orange getaucht gen Westen starren.

Ausblick Paris

Sonnenuntergang Paris

Es war so schön.

(Textgestaltung: Max und Paule)